Erfahrungsbericht Julian

 

Berlin Tag und Nacht

Mein Name ist Julian, ich bin 20 Jahre alt und war für ein Jahr Bundesfreiwilligendienstler. Das Wort „Bundesfreiwilligendienstler“ ist für die meisten Menschen mittlerweile ein Begriff. Für diejenigen, die es nicht wissen oder eine ungefähre Ahnung haben: Ja! Wir sind die Leute, die die gleichen Aufgaben erledigen wie die früheren Zivildienstleistenden, nur für viel weniger Geld. Es wäre der falsche Ansatz nun die vermeintlichen negativen Seiten dieses Jahres aufzuzeigen, welche sich wirklich nur auf den finanziellen Aspekt beziehen. Ich möchte natürlich auf meine Beweggründe – also warum ich dieses Jahr machen wollte – verweisen.

Als ich letztes Jahr mein Abitur endlich in der Tasche hatte und sich meine ganze Stufe an Deutschlands Universitäten breit gemacht hatte, dachte ich mir, dass es der falsche Weg sei, sofort ein Studium anzufangen. Ich wollte ein Jahr Zeit für mich haben. Mich kennen lernen. Raus aus meiner Heimatstadt Bottrop. Rein in eine riesige Metropole. Genau! Berlin.

Natürlich wollte ich auf jeden Fall etwas Sinnvolles machen. Ich wollte niemals so enden, wie irgendein „Künstler“ in Berlin, der irgendwas macht, aber eigentlich genau weiß, dass er keine Jobs hat … er aber in BERLIN ist! Natürlich kannte ich den Zivildienst, und auch schon vor meinem Abitur war mir schon immer klar, dass ich den Wehrdienst verweigern würde.

Als die vermeintlich tolle (?????!) Nachricht durch Deutschland raste, dass der Wehrdienst und damit der Zivildienst abgeschafft wurden, war ich der Einzige in meiner Stufe, der wirklich traurig war, dass ich es nicht machen konnte. Mein Traum nach Berlin zu ziehen, schien geplatzt zu sein!

Doch ich hörte von Freunden, dass es ein FSJ bzw. einen Bundesfreiwilligendienst gäbe. Ich bewarb mich in einem Behindertenwohnheim in Berlin und durfte am 3.7.2011 anfangen! Ich war also offiziell ein Bundesfreiwilligendienstler.

Meine Aufgaben waren in erster Hinsicht vielleicht nicht die wichtigsten von allen, aber ich wusste, dass ich meinen Arbeitskollegen damit viel Arbeit abnehmen würde. Ich musste die Bewohner pflegen, Müll raus bringen, einkaufen gehen und andere Kleinigkeiten, welche anfallen, erledigen. Es wäre eine Lüge von mir zu behaupten, dass jeder Tag gleich toll war. Meine Arbeitskollegen waren zwar alle super nett zu mir und ich wurde toll ins Team aufgenommen, jedoch gab es natürlich Tage, an denen ich mich fragte, was ich hier eigentlich machte. Ich habe mir überlegt, warum ich nicht doch sofort an eine Universität gegangen bin und irgendein Studium angefangen habe. Warum ich nicht die 08/15-Antwort auf die Frage: „Was mache ich eigentlich nach dem Abitur?“ gegeben habe.

Immer wenn diese Fragen kommen, gehe ich durch die Zimmer der Bewohner, sehe die Menschen dort liegen, die es gesundheitlich nicht so gut haben wie ich und plötzlich fällt mir die Antwort wieder ein! Ich wollte helfen.